julefee - It's been a bad day, please don't take a picture...

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Grabrede

Dream Theater – The Ministry Of Lost Souls

Hallo. Es bedeutet mir viel zu sehen, dass ihr alle gekommen seid um euch zu verabschieden.
Ich kann gar nicht genau sagen, wann ich sie kennengelernt habe. Aber ich weiß, dass von diesem Tag an mein Leben so viel leichter, bunter, interessanter wurde.
Einmal, da müssen wir sechs oder sieben gewesen sein, sind wir nachmittags durch den Wald beim Spielplatz gelaufen und haben Stöcke aufgehoben, die auf einmal zu Waffen gegen Waldgeister wurden, die hinter den hohen Bäumen warteten. Ich habe richtig Angst bekommen, als ich aus dem Nichts von einem der Biester angesprungen wurde. Gerade so konnte ich dem Geist mit meinem Schwert die Augen ausstechen und wegrennen. Und wie so oft lagen wir später lachend auf dem Drehkreuz des Spielplatzes und haben in den Himmel gesehen, wo aus Wolken Einhörner geboren wurden und haben unseren zuvor errungenen Sieg gefeiert.
Ja, wir hatten wirklich immer viel Spaß. Auch später in der Schule noch, wenn sie wieder neue Ideen für einen Streich hatte oder sich neue Ausreden für vergessene Hausaufgaben ausgedacht hatte.
Natürlich hatten wir nicht nur sonnige Tage. Es gab Momente, in denen sie mir das Allerschlimmste gezeigt hat. Im Kindergarten waren das Monster unter dem Bett, später Verbrecher, die mein Elternhaus in Brand setzen wollten. Aber das konnte ich ihr immer verzeihen, schließlich war sie es, ohne die mein Leben so leer und trostlos war. Sie war der Grund morgens aufzustehen, weil sie mich täglich überraschte.
Viele Freunde hatten wir nie, weil die meisten Menschen es wohl unheimlich fanden, wie präsent sie immer und überall war. Doch auch das schweißte uns nur noch stärker zusammen. Ich kann nicht genau sagen, wie viele Jahre vergingen. Aber das ist auch unwichtig. Auf jeden Fall war es eine wunderschöne Zeit, die ich für immer in Ehren halten werde.
Und so beerdigen wir heute unter Tränen meine treueste Freundin, die Fantasie. Ruhe in Frieden.



Glücklicherweise ist es bei mir noch nicht so weit. Leider muss ich aber bei meinen Mitmenschen immer wieder feststellen, dass sie ihre Fantasie nach und nach sterben lassen, eigentlich kaum spürbar. Tut euch das nicht an, denn ohne Farben, ist doch alles gleich…

1 Kommentar 11.4.10 20:28, kommentieren

Wiedergefunden

12 Stones - Running Out Of Pain

Vor einiger Zeit habe ich mal einen Text zu dem Thema geschrieben, das hier war mein erster Entwurf:

Fragen zum Thema Freundschaft: 1. Was ist und was bedeutet Freundschaft? 2. Wielange braucht es, bis eine Freundschaft entsteht? 3. Welche Grenzen kennt Freundschaft? 4. Wie wertvoll oder entbehrlich ist ein Freund? 5. Was macht ihn/sie unersetzlich?

Mein bester Feind, mein bester Freund

Ihr Name ist egal, egal ist der Ort, egal der Tag. Denn das hier ist eine jeden-Tag-Geschichte mit einem jeden-Tag -Mädchen in einer, in dieser, Egal-Welt.

(2) Ich hab dich gern, flüstert der Kerl auf der Privatparty in ihr Ohr und lässt dann seine Zunge in ihrem Mund verschwinden. Ein paar Stunden später gehen die beiden händehaltend eine breite Straße entlang. Fühlt sich an, als würde ich dich ewig kennen!, sagt der Typ. Lächelndes Nicken von ihr. Dann betritt sie mit ihm seine Wohnung, wo er das Vertrauen das innerhalb von wenigen Stunden die Tiefe von Jahren erreicht hat, innerhalb von Minuten vernichtet. Missbraucht. Zerstört. Belogen. Ausgenutzt.

(3 + 4) Ein Uhr Nachts. Tränen in den Augen. Zitternde Hände. Atmen vergessen. Offene Schnürsenkel. Treppenhaus. Straße. Fremde Stadt mit bekanntem Gesicht, das sich irgendwo hinter einer Telefonnummer versteckt. Ich bin immer für dich da!, hallen Worte in ihrem Kopf wider. Handy aus. Im Stich gelassen.

(1 + 4 + 5) Er fährt 200 Kilometer, obwohl sie ihm heulend am Telefon versichert hat, dass sie klar kommt. Menschen ignorieren das Tränenkind auf den Stufen zum Laden, der seit Stunden geschlossen ist. Geschlossen sind auch die Menschen, bis auf ein Mädchen: Ist alles Okay? Wirklich? Nicken. Weitergehen. Doch geschlossen. Er sammelt sie auf, bringt sie in Sicherheit. Er würde diesen Weg jeden Tag fahren...

Halte dir deine Feinde nahe, aber deine Freunde näher.

Wie kommst du darauf, dass jemand für dich da ist, wenn er/sie es doch nie war? Wieso vergisst du, dass du Menschen/Freunden nicht egal/nicht so wichtig bist? Haben wir letzendlich keine Menschenkenntnis, sondern einfach nur Glück, dass wir richtig lagen?

1 Kommentar 19.4.10 12:40, kommentieren