julefee - It's been a bad day, please don't take a picture...

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Überforderung

Musik: Rammstein - Wo bist du

Irgendwie habe ich das Gefühl, als wäre mein Leben zu groß für mich. Es ist als ob ich ein PC-Spiel vor mir habe, dass ich auf "extra schwer" spielen muss, obwohl ich bei "leicht" schon immer versagt habe. Mein Leben ist zu schwer für mich. Oder ich bin zu unfähig.

Mein Leben ist eine einzige Überforderung.

1 Kommentar 5.8.08 15:18, kommentieren

Ich weiß auch ohne Uhr, wie spät es ist

Musik: Breaking Benjamin - Until The End

Wie abhängig man von etwas ist, merkt man meistens erst, wenn es dann weg ist. In meinem Fall ist das Objekt der Abhängigkeit mein Fernseher.

Wie oft ich geglaubt habe den TV angestellt zu haben und wie oft ich es tatsächlich getan habe, sind zwei völlig verschiedene Werte. Wirklich klar wurde mir das gestern Abend. Immer wieder habe ich behauptet, kaum TV zu gucken, ihn nicht zu brauchen und immer wieder habe ich ihn trotzdem angestellt, um mir bequem und schön verpackt die Langeweile zu verteiben, Zeit totzuschlagen, mein Leben rumzukriegen. Ich sehe mir samstags gerne Malcom und Scrubs an, abends manchmal gerne die Simpsons und dann war es das. Ja, sicher!

Der Fernseher ging nicht an. Der kleine, rote Punkt leuchtete, aber er ging einfach nicht an. Alleingelassen mit einem Rest Kreativität und dem Teil der Fantasie, den mir das Gerät noch nicht zerstört hat, saß ich da und wusste tatsächlich nichts mit mir anzufangen. Ich bin ein Viel-Chatter, der Schlepptop ist mein bester Freund, aber nebenbei läuft oft doch meistens irgendwie der Fernseher. Stimmen im Hintergrund, das brauche ich. - Ich brauche nicht auf die Uhr zu sehen, um zu wissen wie spät es ist. Das Fernsehoprogramm sagt es mir!

Diese Erkenntnis schmerzt leicht. Ich dachte, ich sei etwas Besonderes, unabhängig, kreativ. Aber tatsächlich bin ich auch nur einer von den Abhängigen, denen es egal ist was läuft, hauptsache, man muss ich nicht selbst beschäftigen.

Die Screenager, die Screenpeople, die Fernsehsüchtigen haben auch nur eine einzige Angst - nicht vor schlechtem TV-Programm, nein, das können sie gar nicht mehr unterscheiden, sondern davor, dass die Fernbedienung herunterfällt. Ein Geräusch, das Panik auslöst. Die einzige Emotion, die am Tag durch ihren Körper rauscht, denn alle anderen Empfindungen wurden zusammen mit der Fantasie nach und nach leise zerstört. Und gerade deshalb fühle ich mich jetzt wahrscheinlich so verloren.

1 Kommentar 8.8.08 15:56, kommentieren

Musikalische Tiefschläge

Musik: Amy MacDonald - A Wish For Something

Die Weltbevölkerung erlebte in den letzten Jahren eine Musiküberproduktion, eine Überschwemmung.

Jeder konnte auf einmal singen, Moderatoren, Models usw. veröffentlichten ihre Werke, Hasen sangen, Küken sangen. Fließbandproduktionen in Fernsehshows ala Superstar, Staffel zuende, neue Staffel. Das meiste dieser Oberflächenmusik berieselte uns einige Wochen im Auto, wenn wir das Radio anstellten und geriet dann in die Vergessenheit - auch gut so!

Die deutsche Bevölkerung zeigte der ganzen Welt, dass sie dumm und medienbeeinflussbar sind, wir hören alles, wenn Dieter Bohlen es absegnet, wir hören sogar doofe Quietschestimmensongs, wenn der Sänger pelzig ist und riesengroße Augen hat.

Leider gehen bei diesen Unmengen von Musik soviele gute Sachen unter. Das wirklich Traurige ist, dass die Leidtragenden in erster Linie die Künstler sind, die sich hinsetzten, selbst Texte schreiben, ihre, seit der Jugend bestehende, Band zusammenrufen und versuchen Geld zu machen, - die Intention ist überall die gleiche, natürlich - money rules! - überhaupt keine Chance haben, weil hinter ihnen keine TV-Sender stehen, die die Massen beeinflussen. Songs der neuen Popstars, Superstars etc. werden ständig unauffällig in irgendwelchen Werbungen platziert, der Zuschauer gewöhnt sich daran und kauft letzendlich die CD.

Ich gönne jedem Sänger, jeder Band Erfolg, egal ob Plastikmusik oder - in meinen Augen - echte, tiefgreifendere Klänge, nur finde ich es schade, dass durch diese Tatsache soviele Künstler aufgeben und nicht mehr weitermachen, weil sie gegen diese mediengesteuerte Musik nicht ankommen und zu der Entscheidung kommen, nur noch auf Dorffesten auftreten zu wollen. Der musikgierigen Gesellschaft entgehen durch dieses Prinzip einige wundervolle Alben. Ein ewiges Thema, über das ewig diskutiert werden kann.

Gestern Abend hatte ich eine Unterhaltung darüber, was Weltsongs sind. Bob Dylan wurde vorgeschlagen. Like A Rolling Stone, angeblich Song des Jahrhunderts. Ich: Haben das die gleichen Menschen gewählt, die auch die Superstars entscheiden? Er: Mach mir nicht alles mies! Die Wahl des Songs durch die beschränkte Jury zeigt, dass die Menschheit noch nicht komplett verloren ist, und sehr wohl erkennt, wenn etwas Großartiges enstanden ist.

2 Kommentare 19.8.08 11:51, kommentieren